Die Menschen im Leihamt: Frank Kucharski, allgemeine Verwaltung und Team Geschäftsführung

29. November 2022

Frank Kucharski, Verwaltungsfachangestellter im Leihamt Mannheim | Foto: Axel Heiter

Frank Kucharski könnte man mutterseelenallein im tiefsten Urwald aussetzen und sich sicher sein: Der findet seinen Weg da raus und lernt nebenbei so viel Wissenswertes, dass er danach eine neue Karriere starten kann. Im Leihamt hat er vor zehn Jahren als externer Wachmann angefangen. Heute arbeitet er direkt unserem Geschäftsführer, Jürgen Rackwitz, als Verwaltungsangestellter zu.

Dazwischen lagen viele Weiterbildungen, denn der gebürtige Mannheimer lernt gern Neues dazu. Seine Komfortzone zu verlassen – das liegt ihm im Blut. Und so ging es für Kucharski vom Wachdienst ins Lager, dann zur Neben- und Hauptkasse und schließlich in die allgemeine Verwaltung. Praktisch nebenbei machte der 41-Jährige den Abschluss zur IHK-geprüften Schutz- und Sicherheitskraft.

Seitdem ist er in Doppelfunktion unser Gefahrenschutz- und Gesundheitsschutzbeauftragter. So kümmert er sich beispielsweise darum, dass unsere Geldzählmaschinen regelmäßig gewartet werden, unsere Brandmelder stets einsatzbereit sind und in der Pandemie unseren Kolleg:innen Impfangebote zur Verfügung standen. Demnächst will er sogar seinen Meister für Schutz und Sicherheit machen.

 

Versteigerung und Nachverkauf von Pfändern

Darüber hinaus ist Kucharski sowohl First-Level-Support in puncto IT als auch Ansprechpartner für die Kriminalpolizei. Er beauftragt Fremdfirmen, bestellt Gebrauchsgegenstände, bereitet Versteigerungen vor und unterstützt das Team im Nachverkauf. Denn immer dann, wenn Pfänder bei der regulären Versteigerung keine neuen Besitzer:innen finden, können diese Wertgegenstände beim Nachverkauf in den Räumen des Leihamts in D4 erworben werden – oftmals zu einem attraktiven Preis.

Bevor es jedoch überhaupt zu einer Versteigerung kommt, informiert Kucharski die betroffene Kundschaft darüber, dass ihre Schätze unter den Hammer kommen sollen. „Das ist ein Sonderservice, den das Leihamt bietet“, erklärt er. Denn natürlich könne es vorkommen, dass man Säumnistermine aus den Augen verliere. „In diesem Fall haben die Kund:innen die Chance, den Pfandkredit zu verlängern, indem sie die Zinsen und Gebühren für die abgelaufene Zeit sowie eine 10%ige Abzahlung des Darlehens leisten. „Bei Uhren oder Schmuck entfällt die Abzahlung sogar.“

 

In stern-tv-Reportage zum Pfandkredit

Seit 2012 ist der ehemalige Zeitsoldat bei uns im Leihamt und hat hier seinen Traumjob gefunden. „Langweilig ist es nie. Denn jeder Tag verläuft komplett anders.“ Dass er das Leihamt von der Pike auf kennengelernt hat, macht ihn zur guten Seele des Hauses. Denn er kennt das einzige kommunale Pfandhaus Deutschlands vom Dachboden bis zum Keller. Zuletzt sah dies das TV-Publikum bei der Reportage, die stern TV bei uns gedreht hat. Sein wichtigster Satz, „Es gibt keinen Grund, dass man sich schämen muss, ins Leihamt zu kommen“, hat enorme Resonanz gefunden.

Was war eigentlich das aufregendste Erlebnis in den vergangenen zehn Jahren? „Die Versteigerung einer Rolex Sea-Dweller red! Denn sie erzielte deutlich mehr als das, was an Pfandkredit, Zinsen und Gebühren offen war: 20.000 Euro!“ Auch der Kunde dürfte sich darüber gefreut haben, denn dieser sogenannte Mehrerlös wanderte direkt in seine Tasche. Und genau das ist es auch, was Kucharski beim Leihamt so große Freude macht: „Wir können für die Menschen da sein.“

 

Autorin: Stefanie Badung

„Jetzt weiß ich, dass ein echter Krügerrand auch gut klingen muss“

23. November 2022

Jürgen Rackwitz und Peter Lapré (re.) empfangen Herrn Paulsen (li.) und die weiteren Mitglieder des IHK-Netzwerks Kleinunternehmen | Foto: Axel Heiter

Das IHK-Netzwerk Kleinunternehmen nahm im November an der „Goldenen Stunde im Leihamt“ teil. In dieser Vortragsreihe empfangen wir Vereine, Verbände und andere Vereinigungen. Einblicke in die Abläufe bei Deutschlands einzigem öffentlich-rechtlichen Pfandhaus runden das Programm ab.

Der Vortrag dieser „Goldenen Stunde“ beleuchtete den Pfandkredit, „das unbekannte Finanzinstrument“. Bei Gründer:innen ist die Alternative zu einem Bankkredit zuletzt zum Geheimtipp avanciert, doch an größerer Bekanntheit unter Geschäftstreibenden fehlt es noch.

Der Betriebsleiter des Leihamts, Anton Meinzer, ging deshalb sehr gezielt darauf ein, wie man den Pfandkredit als Unternehmer:in strategisch einsetzen kann.

Die Mitglieder des Netzwerks Kleinunternehmen stammen aus unterschiedlichen Branchen und sind in der Rhein-Neckar-Region tätig. Sabine Krauss ist selbstständige Finanzberaterin für Baufinanzierung. Sie war „…beeindruckt, dass [das Leihamt] auch privaten, selbstständigen oder kleineren Unternehmen bei zwischenzeitlichem Liquiditätsbedarf“ hilft.

Welche Fallbeispiele ihr in den Sinn kommen und an welche Vorteile sie konkret denkt, hat sie in einem öffentlichen Posting bei LinkedIn ausgeführt.

 

Ein Blick hinter die Kulissen

Ein wichtiger Bestandteil der „Goldenen Stunde im Leihamt“ ist eine Führung durch das Haus, bei der unsere Besucher Einblicke in die Architektur, das Lager und die Arbeitsplätze unserer Schätzer:innen erhalten.

„Sehr spannend, was es im Leihamt alles zu entdecken gibt“, fasst Lars Paulsen, einer der Ansprechpartner des Netzwerks Kleinunternehmen der IHK Rhein-Neckar, seine Eindrücke zusammen. Er fährt fort: „Dank Herrn Meinzer weiß ich jetzt, dass ein echter Krügerrand auch gut klingen muss. Beeindruckt hat mich, dass als Pfand auch Märklin-Eisenbahnen, Werkzeuge und Musikinstrumente eingelagert werden.“

Im Anschluss an Vortrag und Führung blieb wieder Zeit für das gemeinsame Netzwerken. Wir danken unseren Gästen herzlich für den angenehmen Austausch und freuen uns schon auf die nächste „Goldene Stunde“ im Frühjahr 2023.

 

Wann schlägt Ihre Goldene Stunde im Leihamt?

Falls Sie mit Ihrer Gruppe auch einmal an der „Goldenen Stunde im Leihamt“ teilnehmen möchten, wenden Sie sich bitte an Frank Kucharski (Tel. 0621 12013 12, Email kucharski@das-leihamt.de).

 

Autor: Markus Biedermann
Fotos: Axel Heiter

Das Leihamt Mannheim empfängt zur „Goldenen Stunde“

27. Oktober 2022

Jürgen Rackwitz und Frank Kucharski empfangen den Stadtteilverein Neuostheim e.V. zur Goldenen Stunde im Leihamt | Foto: Axel Heiter

Die „Goldene Stunde im Leihamt“ ist eine Serie exklusiver Veranstaltungen. Wir empfangen geladene Gäste, darunter Vereine, Verbände und andere Vereinigungen, um in unserem Hause einen spannenden Vortrag zu einem aktuellen sowie relevanten  Thema zu erleben. Durch ein rundes Rahmenprogramm vermitteln wir zudem vielfältige Eindrücke von Deutschlands einzigem öffentlich-rechtliches Pfandhaus.

Die Besucher entdecken während der „Goldenen Stunde“ die beeindruckende Architektur unseres historischen Gebäudes, erkunden das Lager und erfahren an den Arbeitsplätzen unserer Schätzer:innen, wie man den Wert eines Pfandes ermittelt. In unserem Versteigerungssaal werden mitgebrachte Gegenstände von unseren Expert:innen geschätzt.

Wir freuen uns sehr darüber, dass dieses Konzept positiv angenommen wird. So teilte uns Stefan Bickmann, der 1. Vorsitzende des Stadtteilvereins Neuostheim e.V., im Anschluss an die Veranstaltung mit: „Ich habe mit vielen Mitgliedern gesprochen, die von unserem Besuch sehr begeistert waren“. Den Vortrag von Geschäftsführer Jürgen Rackwitz lobt er als „informativ, lebendig und humorvoll“.

Auch für unsere Mitarbeiter:innen ist die „Goldene Stunde“ ein schöner Anlass, um einen Schritt aus dem sonstigen Arbeitsalltag herauszutreten. Selten lassen sich wissenswerte Fakten rund um die Pfandleihe, den Edelmetallhandel und anderes mehr in solch lockerer Atmosphäre vermitteln.

Im Anschluss an Vortrag und Führung bleibt den Besuchergruppen im Rahmen der „Goldenen Stunde“ immer ausreichend Zeit für ein Get-together und gemeinsames Netzwerken. Für das leibliche Wohl ist dabei selbstverständlich gesorgt.

Und wann schlägt Ihre Goldene Stunde im Leihamt?

Falls Sie mit Ihrer Gruppe auch einmal an der „Goldenen Stunde im Leihamt“ teilnehmen möchten, wenden Sie sich bitte an Frank Kucharski (Tel. 0621 12013 12, Email kucharski@das-leihamt.de).

 

Autor: Markus Biedermann
Fotos: Axel Heiter

Was ist eigentlich eine Vorfälligkeitsentschädigung?

19. Oktober 2022

Simone hätte bei einem Pfandkredit mehrere Vorteile | Foto: Kristina Paukshtite (Pexels)

Simone freut sich. Gerade hat ihr Arbeitgeber ihr für das gelungene Projekt einen Bonus ausbezahlt, mit dem sie in ein Schwarzwald-Wochenende fahren könnte. Pragmatisch wie sie ist, nutzt sie das Geld aber lieber, um einen Teil ihres Bankkredits vorzeitig zu tilgen. Je schneller sie ihren Kredit zurückzahlt, desto weniger kostet er sie unterm Strich – so zumindest ihr Gedanke.

Ihre Freude wird jedoch getrübt, als sie erfährt, dass ihr ihre Bank für die vorzeitige Tilgung eine stattliche Gebühr berechnet – die so genannte Vorfälligkeitsentschädigung. Simone ist entsetzt und ärgert sich über die vermeintliche Wucherpolitik der Bank.

 

Was ist da passiert?

Schauen wir uns die Hintergründe an: Wenn eine Bank einen Kredit vergibt, so verlangt sie dafür Zinsen. Die werden über die gesamte Laufzeit festgeschrieben, das heißt wie auch immer sich das Zinsniveau auf dem Geldmarkt ändert: Simone zahlt immer den gleichen Prozentsatz für ihr Darlehen.

Die Bank wiederum refinanziert Kredite über Einlagen oder Anleihen. Dafür zahlt sie auch Zinsen, aber weniger als sie von Simone für ihren Kredit bekommt – diese Differenz ist die Marge der Bank. Idealerweise haben solche Anleihen die gleiche Laufzeit wie der damit finanzierte Kredit. Dies nennt man Fristenkongruenz und auf diese Weise sichert sich die Bank über die gesamte Laufzeit ihre Marge.

Wenn Simone nun ihren Kredit vorzeitig tilgt, erhält die Bank Geld zurück, das ihr keine Zinsen mehr bringt. Ihre Zinsverpflichtungen aus der Refinanzierung laufen allerdings weiter. Die Bank muss dann versuchen das erhaltene Geld anderweitig anzulegen, unter Umständen zu schlechteren Konditionen: Sie erleidet einen so genannten Refinanzierungsschaden. Außerdem entgeht ihr für den Rest der Laufzeit die Marge, es kommt zusätzlich zu einem Margenschaden. Für diese Schäden muss Simone aufkommen.

Man kann es auch anders ausdrücken: Der Bank geht ein erwarteter Gewinn verloren und den holt sie sich von Simone in Form der Vorfälligkeitsentschädigung zurück.

 

Ein Pfandkredit kann günstiger und flexibler sein

Während bei der Bank die Gewinnerzielungsabsicht im Vordergrund steht, arbeitet das Leihamt gemäß seiner Satzung dafür, möglichst allen Bürgerinnen und Bürgern, die sich in einer finanziellen Notlage befinden, zu helfen.

Natürlich will und muss auch ein Pfandleiher Geld verdienen. Aber: Die Konditionen eines Pfandkredits sind oftmals günstiger als die eines Bankkredits, die Zusage erfolgt wesentlich schneller und auch in punkto Flexibilität hat das Leihamt den Banken einiges voraus.

Hätte Simone einen Pfandkredit, so könnte sie jetzt mit ihrem Bonus ihr Pfand früher als geplant auslösen. Sie würde Zinsen und Gebühren sparen und könnte ihre Wertsachen, die sie hinterlegt hat, viel früher wieder in Empfang nehmen. Nachteile erleidet sie dabei keine. Keine Strafzinsen. Keine Vorfälligkeitsentschädigung. Keine Rede vom Margenschaden. Sie behält die volle Kontrolle über ihre Finanzen.

Fazit: Ohne Vorfälligkeitsentschädigung beim Pfandkredit können Kund:innen nur gewinnen, aber nie verlieren.

 

Autor: Stephan Kirchner

Ab sofort gibt es Pfandkredite für Designertaschen

16. September 2022

Echt oder Fake? Mode- und Markenexpertin Anela Franjkovic machte das Team des Leihamts fit in der Beurteilung von Designertaschen und -accessoires (v.l.n.r: Schätzer Dirk Kieck, Anela Franjkovic, Betriebsleiter Anton Meinzer, Geschäftsführer Jürgen Rackwitz) | Foto: Axel Heiter

Wer kennt das nicht? Sie brauchen Geld – und zwar dringend. Was tun? Ganz einfach: Klemmen Sie sich Ihre Designertasche unter den Arm und kommen Sie zu uns ins Leihamt in D4. Denn ab sofort beleihen wir Taschen, Geldbörsen, Brieftaschen und Gürtelschließen der Marken Michael Kors, Hermès, Louis Vuitton, Gucci, MCM und Prada.

Dass unser Leihamt Gold, Silber, Schmuck und Uhren beleiht, ist nun wirklich keine Neuigkeit, die die Menschen in der Metropolregion Rhein-Neckar hinter dem Ofen hervorlockt. Immerhin helfen wir den Mannheimer:innen mit Pfandkrediten schon seit über 200 Jahren dabei, kurzfristige finanzielle Engpässe zu überwinden. Aber auch Pfänder gehen mit der Mode. Wer in den Achtzigern einen Pfandkredit brauchte, kam nicht selten mit Teppichen, Lederjacken, Gemälden oder Pelzen zu uns ins Leihamt. Heute gäbe es dafür keine müde Mark oder, Pardon, keinen müden Euro. Denn Pfänder müssen vor allem eins sein: wertstabil.

 

Pfänder müssen wertstabil sein

Auf Designertaschen und Markenaccessoires wie Geldbörsen, Brieftaschen oder Gürtelschließen trifft das zu. Nicht selten gewinnen einzelne Taschenmodelle sogar erstaunlich an Wert. Weltberühmt ist die sogenannte Birkin Bag. Deren Hersteller Hermès verknappt das Angebot dermaßen, dass es jahrelange Wartelisten gibt. Damit steigen sowohl die Begehrlichkeit als auch der Wert der Modelle, die eine Trägerin gefunden haben. Und das in sensationeller Art und Weise. Denn zwischen 1980 und 2015 hatte die Birkin Bag eine Rendite von 14,2 Prozent – und war damit besser als der Goldpreis und der S&P-500-Aktienindex.

 

Je höher die Nachfrage, desto höher der Pfandkredit

Aber so legendär müssen die Pfänder beileibe nicht sein, damit sie im Leihamt ihren Besitzer:innen einen Pfandkredit verschaffen. Die Höhe des Pfandkredits hängt dabei von zwei Faktoren ab: In welchem Zustand ist die Designertasche? Welche Preise erzielt das Modell im Secondhand-Markt? Generell gilt die Formel: Je höher die Nachfrage nach einem Modell, desto höher der Pfandkredit. Beispiel: Eine gut erhaltene „Hamilton MD Satchel“ des beliebten amerikanischen Labels Michael Kors, die in einem Secondhand-Verkaufsportal für circa 165 Euro zu erwerben ist, würde den Besitzer:innen im Leihamt einen Pfandkredit in Höhe von rund 130 Euro verschaffen, also eine circa 80-prozentige Beleihung auf den Secondhand-Preis.

 

Michael Kors, Hermès, Louis Vuitton, Gucci, MCM und Prada

„In einem ersten Schritt beleihen wir Designertaschen oder -accessoires der Marken Michael Kors, Hermès, Louis Vuitton, Gucci, MCM und Prada“, erklärt unser Betriebsleiter Anton Meinzer. Das Portfolio, das eine möglichst breite Spanne von Altersgruppen anspricht, soll aber schrittweise ausgebaut werden. Die Marke Michael Kors beispielsweise, die mit Supermodel Bella Hadid kooperiert, steht bei jüngeren Konsument:innen hoch im Kurs. Diese junge Generation hat im Gegensatz zu der der Eltern und Großeltern selten Gold oder Schmuck. „Aber auch ihnen wollen wir eine Chance geben, einen kurzfristigen finanziellen Engpass zu überbrücken“, sagt Rackwitz.

Beliehen werden bei uns im Leihamt folgende Sortimente:

 

Echt oder Fake?

Grundbedingung einer Beleihung ist – natürlich – die Echtheit der präsentierten Taschen und Accessoires. Um die Authentizität prüfen zu können, hat unser Schätzer:innen-Team einen Workshop bei der Mode- und Markenexpertin Anela Franjkovic absolviert. Durch ihre Hände sind schon eine halbe Million Taschen gewandert. Sie kennt die Tücken des Prüfens aus dem Effeff: „Fake ist nicht gleich Fake. Da gibt es nicht nur freche Plagiate, sondern auch die gute Kopie und den Premium-Fake.“ Deshalb nehmen die Schätzer:innen sehr genau Seriennummern, Garne, Nähte, Punzen, Blindstempel, Typografie von Schriftzügen, Haptik, Form, Patina und sogar den Geruch der ihnen präsentierten Taschen unter die Lupe.

Tipps:

 

Autorin: Stefanie Badung

Vorteil Pfandkredit: Sachhaftung statt Personenhaftung

30. August 2022

Was ist der Vorteil der Sachhaftung beim Pfandkredit? | Foto: Axel Heiter

Wer jemand anderem Geld leiht, möchte es auch gerne wieder zurückbekommen. Und wenn das Gegenüber nicht gerade der beste Freund oder die beste Freundin ist, muss die Kreditwürdigkeit gewährleistet sein.

Eine Bank beurteilt diese, indem sie sich das monatliche Einkommen, die laufenden Verbindlichkeiten und das verfügbare Vermögen ihres Kunden oder ihrer Kundin anschaut. Durch eine SCHUFA-Auskunft wird sie zudem noch mehr über die Bonität erfahren wollen.

Wenn nämlich später die vereinbarten Raten nicht gezahlt werden können, wird sich die Bank das Geld auf anderem Weg zurückholen, zum Beispiel, indem sie eine Lohn- oder Gehaltspfändung oder eine Zwangsvollstreckung veranlasst. Deshalb will sie bereits vor der Kreditvergabe ganz genau wissen, ob es im Fall der Fälle überhaupt etwas zu holen gibt. Wer den Kredit nicht bedient, wird so in der Folge immer tiefer in die Schuldenfalle geraten und riskiert sogar eine Privatinsolvenz.

Dieses Prinzip wird Personenhaftung genannt, denn es ist bei einem Bankkredit immer die Person der Kreditnehmerin oder des Kreditnehmers, die für die Schulden geradestehen muss. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand unverschuldet – z. B. wegen Krankheit oder Jobverlust – in diese Lage gekommen ist. Die Person haftet in jedem Fall – auch mit künftigem Vermögen.

Aber es geht auch anders. Im Gegensatz zur Personenhaftung beim Bankkredit steht die Sachhaftung beim Pfandkredit. Hier haftet ausschließlich der Wertgegenstand („die Sache“), den ein Kunde oder eine Kundin als Sicherheit hinterlegt. Dieser Gegenstand – beispielsweise Schmuck, eine Uhr, Gold oder Silber – wird bei uns im Leihamt bewertet und schon nach wenigen Minuten ist klar, wie hoch der maximale Kreditbetrag sein kann. Der Wert des überlassenen Pfandes deckt dabei unsere Kosten für Pfandkredit, Zinsen und Gebühren.

 

Niemand verschuldet sich beim Pfandkredit

Damit garantiert uns das überlassene Pfand, dass wir unser Geld auch dann zurückerhalten, wenn das Pfand nicht ausgelöst werden kann und in der Folge versteigert werden muss. Ergo: Wir nehmen immer nur die Sache in Haftung, niemals jedoch die Menschen, die den Pfandkredit abschließen. Aus diesem Grund können wir komplett auf SCHUFA-Abfragen und auf Einkommens- oder Vermögensnachweise verzichten. Ein schöner Nebeneffekt: Pfandkredite werden im Leihamt schnell und unbürokratisch vergeben.

Auch die Schuldenspirale dreht sich nicht. Von ihr spricht man, wenn immer wieder neue Kredite aufgenommen werden, um die Raten für ältere Kredite zahlen zu können. Wachsende Verschuldung und sinkende Bonität sind dann die Folgen. Bei einem Pfandkredit kann das nicht passieren. Wer weiteres Geld benötigt, hinterlegt einfach ein weiteres Pfand, das dann wiederum als „Sache“ haftet.

Und selbst wenn das gute Stück in die Versteigerung geht, liegen die Risiken ausschließlich beim Leihamt. Da eine Personenhaftung ausgeschlossen ist, tragen wir den Verlust, falls der Versteigerungserlös unerwartet zu niedrig ausfällt. Der Clou dabei: ist der Erlös höher als erwartet, steht dem Kunden oder der Kundin der komplette Übererlös zu.

Fazit: Mit der Sachhaftung beim Pfandkredit können Kund:innen nur gewinnen, aber nie verlieren.

 

Autor: Stephan Kirchner

Das Leihamt klärt auf: Urlaubszeit ist Einbruchszeit

01. August 2022

Ein Haustresor bietet nur eingeschränkt Schutz | Foto: iStock

Ferienzeit ist endlich auch wieder Reisezeit. Das ist schön, hat aber auch eine Kehrseite. Wie die Kriminalstatistiken zeigen, ist der Sommer leider auch Einbruchszeit. Die Einbrecher:innen finden ein leeres Haus oder Wohnung vor und sind über alle Berge, wenn die Opfer nach Tagen oder Wochen zurückkommen und den Verlust bemerken. Da bietet auch ein Haustresor nur sehr eingeschränkt Schutz.

Also was tun mit den Wertsachen, die zu Hause bleiben? Wie der Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes auf seiner Website betont, ist der Pfandkredit eine interessante Alternative zu einem Bankschließfach: kein bürokratischer Aufwand, transparente Kosten und eine sichere Verwahrung der Wertgegenstände während des Urlaubs. Der Clou dabei: der hinterlegte Gegenstand kann während der Reise beliehen werden, so dass ganz schnell ein paar Hundert Euro mehr in der Reisekasse sind.

Tipp: Lagern Sie Ihren Schmuck, wertvolle Uhren und Gold rechtzeitig vor Urlaubsantritt beim Leihamt ein!

Wie ein Pfandkredit im Einzelnen funktioniert und welche Wertsachen wir für Sie deponieren, können Sie hier nachlesen.

Schützen Sie sich und Ihre Werte. Für ein gutes Gefühl im Urlaub und danach.

Autor: Stephan Kirchner

Die Menschen im Leihamt: Peter Lapré, Prokurist und kaufmännischer Leiter

13. Juli 2022

Peter Lapré, Prokurist und kaufmännischer Leiter im Leihamt Mannheim | Foto: Axel Heiter

Ist das, was in den Finanzbüchern des Leihamts steht, korrekt? Unbedingt! Denn das sicherzustellen ist der Job von Peter Lapré. Der „Herr der Zahlen“ weiß über jeden Cent Bescheid, der in unser Leihamt reinkommt und es wieder verlässt. Die Faszination für alles Rechnerische ist dem 15-Jährigen anscheinend in die Wiege gelegt worden.

Moment mal: 15-Jähriger? „Das ist so schon korrekt“, schmunzelt Lapré. Denn geboren wurde er am Rosenmontag des Jahres 1960. Das war ein Schaltjahr, in dem der karnevalistische Wochenanfang auf den 29. Februar fiel. Somit feiert der eigentlich 60-Jährige streng genommen nur alle vier Jahre Geburtstag. Dann aber bestimmt umso freudiger.

Zum Leihamt kam der gelernte Steuerfachgehilfe, studierte Betriebswirt und IHK-geprüfte Bilanzbuchhalter bereits 2006. Damals verpfändeten die Menschen viel Elektronik. Die Regale des Leihamts waren prall gefüllt mit Video- und DVD-Rekordern sowie DVD-Sammlungen. Heute sind Pfänder größtenteils Schmuck, Juwelierware und Gold. 

 

Das Leihamt ist eine Anstalt öffentlichen Rechts

Unser Leihamt wurde 1809 gegründet und ist das letzte kommunale Pfandhaus in der gesamten Bundesrepublik. Juristisch betrachtet ist es eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Als Prokurist vertritt Lapré unseren Geschäftsführer Jürgen Rackwitz, wenn dieser im Urlaub oder verhindert ist, und hat damit weitreichende Entscheidungsbefugnisse. Als kaufmännischer Leiter wiederum erstellt und kontrolliert Lapré den Wirtschaftsplan. Und der hat vor allem ein Ziel: das Geschäftsjahr mit einem Plus zu beenden. Denn die Überschüsse dessen, was das Leihamt in erster Linie mit Pfandkrediten sowie dem An- und Verkauf von Gold und Silber erwirtschaftet, fließen dem Sozialhaushalt der Stadt Mannheim zu.

 

Mit dem Pfandkredit inflationsbedingte Liquiditätsengpässe abfedern

Damit das auch in Zukunft funktioniert, muss das Zahlenwerk also solide sein. Und genau das im Auge zu behalten ist die Aufgabe von Lapré. Er muss die Zahlen im Griff haben, damit unser über 200 Jahre altes Leihamt auch künftig noch Pfandkredite vergeben kann. Und das ist wichtig, denn Lapré glaubt: „Mit der hohen Inflation und den steigenden Nebenkosten werden mehr und mehr Menschen den Weg zu uns finden.“ Rentner:innen beispielsweise, die ein Armband oder eine Uhr beleihen, um offene Rechnungen sofort begleichen zu können und damit bei der Bank nicht in den Miesen stehen zu müssen.

Diesen gesellschaftlichen Zweck mit dem gesamten Kollegium zu erfüllen, erfüllt den gebürtigen Westpfälzer mit Stolz: „Wenn ich abends nach Hause gehe, weiß ich, dass meine Arbeit dazu beigetragen hat, Menschen aus einer finanziellen Klemme zu helfen.“

 

Autorin: Stefanie Badung

Nach 42 Jahren beim Leihamt: Kurt Thomaschek geht in den wohlverdienten Ruhestand

28. April 2022

Kurt Thomaschek, Betriebsleiter im Leihamt in Mannheim | Foto: privat

Als Kurt Thomaschek bei uns anfing, trug man Vokuhila, Wollstulpen und Karottenjeans. Wer damals, im Mai 1980, schnell Geld durch einen Pfandkredit brauchte, brachte Teppiche, Lederjacken, Gemälde oder Pelze ins Leihamt. 42 Jahre später haben sich zwar die Pfänder geändert, die Menschen aber nicht. Einige davon dürften Thomaschek bald vermissen. Denn nach 42 Jahren geht unser dienstältester Kollege Ende April in den wohlverdienten Ruhestand.

Auch heute noch sind die Gründe, warum Menschen einen finanziellen Engpass durch einen Pfandkredit im Leihamt überbrücken wollen, die gleichen. Und auch heute noch sind die Summen, die die Menschen brauchen, sehr unterschiedlich. „In der einen Stunde kommt eine Oma, die ihrem Enkel mit 10 Euro eine Freude machen will. In der nächsten Stunde kommt ein älteres Ehepaar, das 10.000 Euro braucht, um das Bad barrierefrei zu gestalten“, sagt Thomaschek.

Bei uns im Leihamt fing er an, nachdem er als 18-Jähriger seine Ausbildung als Verwaltungsangestellter bei der Stadt Mannheim abgeschlossen hatte. Denn hier tat sich unerwartet eine Chance als Schätzer auf. Der Funke für das neue Metier sprang sofort über. „Perlenkurs, Farbsteinkurs, Diamantgutachterkurs – ich habe keine Schulung ausgelassen, um mich fit zu machen“, erzählt der 63-Jährige begeistert. Nicht selten wanderten seinerzeit Hunderte von Videorekordern, analogen Kameras, fein geknüpften Seidenteppichen, Nerzen und großen Farbfernsehern jährlich in das Lagerhaus. Bald platzte es aus allen Nähten, so dass unser Leihamt im Juni 1990 in das jetzige Jugendstilgebäude in D 4 umzog. Damals wie heute wissen unsere Schätzer:innen nie, welche Wertgegenstände und welche Menschen der Tag an ihre Schalter bringt. Und genau diese Abwechslung und Spannung liebt Thomaschek an seiner Arbeit bis heute.

 

Pfandkredit sicherte Liquidität für Dachdecker

Ob es eine ungewöhnliche Beratung in den 42 Dienstjahren gab, die ihm im Gedächtnis geblieben ist? „Nach einem Orkan waren in der gesamten Region Rhein-Neckar etliche Dächer abgedeckt“, erzählt er. Goldene Zeiten für Dachdecker:innen, möchte man meinen. Nur auf den ersten Blick, denn: „Tatsächlich vergehen viele Monate, bis die Firmen ihr Geld sehen. Denn zuerst müssen sie die Ziegel oder Dachsteine als Material einkaufen. Dann wird das Haus gedeckt und das Personal bezahlt. Das Geld aus der Hausversicherung der Kundschaft kommt erst Monate später.“ Der Dachdecker hatte bei seiner Bank den Kreditrahmen bereits ausgeschöpft und hätte keine weiteren Aufträge annehmen können. Unser Kollege jedoch konnte ihm durch einen Pfandkredit schnell und unbürokratisch aus der Bredouille helfen.

So wurden über die Jahrzehnte für Thomaschek viele Kund:innen zu vertrauten Gesichtern – darunter auch Menschen aus Freiburg, Karlsruhe oder Köln. Warum sie die lange Wegstrecke gern in Kauf nahmen? „Das Vertrauen, das unser Leihamt als einziges kommunales Pfandhaus in ganz Deutschland genießt, ist einzigartig“, meint Thomaschek. Denn die Kolleg:innen werden nicht nach Provision bezahlt, sondern können unabhängig die Kundschaft beraten. Ein Beispiel: Es zahlt sich unmittelbar aus, den Pfandkredit stückchenweise zu tilgen. Denn wenn bei einem Pfandkredit in Höhe von 500 Euro monatlich 50 Euro getilgt werden, sinken automatisch und sofort auch die fälligen Zinsen und Gebühren. Die Kundschaft spart also bares Geld. Genau dieses Feingefühl macht die Beratung im Leihamt fair und Menschen wie Kurt Thomaschek zu im wahrsten Sinne des Wortes „geschätzten“ Ansprechpartner:innen.

 

Autorin: Stefanie Badung

 

Die Menschen im Leihamt: Sabine Seitz, Assistentin der Geschäftsführung

25. Februar 2022

Sabine Seitz, Assistentin der Geschäftsleitung im Leihamt in Mannheim | Foto: Axel Heiter

Hand in Hand arbeitet Sabine Seitz mit den Pfandkredit-Expert:innen des Leihamts zusammen. Sobald diese ein Pfand auf seinen Wert taxiert haben und den Pfandvertrag mit der Kundschaft abgeschlossen ist, zahlt sie an der Kasse das Pfanddarlehen aus.

Zum Leihamt kam die gelernte Friseurin wie die Jungfrau zum Kinde. Ob ein Job als Aushilfe beim Leihamt nichts für sie wäre, fragte Betriebsleiter Kurt Thomaschek die gebürtige Mannheimerin einst vor 22 Jahren. Offen und experimentierfreudig, so wie es ihrem Naturell entspricht, sagte Seitz prompt zu. Und wurde schon nach kurzer Zeit als Festangestellte in Teilzeit übernommen. Seitdem arbeitet sie im prächtigen Jugendstilgebäude in D 4 – „schönster Arbeitsplatz Mannheims!“ – entweder hinter den Kulissen als Assistentin der Geschäftsführung oder an vorderster Linie: der Kasse.

 

Bargeld oder EC-Zahlung?

Und genau hier laufen alle finanziellen Fäden zusammen. An der Kasse können die Leihamt-Kund:innen ihre Pfandkredite verlängern. Sie können hier ihre Pfänder auslösen, also den Pfandkredit zzgl. der aufgelaufenen Zinsen und Gebühren tilgen. Sie bezahlen die Gold-/Silbermünzen oder Gold-/Silberbarren, die sie beim Leihamt erwerben. Oder sie kassieren das Geld für Gold und Silber, das sie im Leihamt verkaufen. Alle Transaktionen passieren entweder mit Bargeld oder bargeldlos über eine EC-Karte.

 

Wer kommt ins Leihamt?

Aber wen trifft die sympathische 59-Jährige eigentlich täglich an der Kasse des Leihamts? „Unsere Kundschaft ist bunt gemischt“, sagt sie. Da gibt es die Omis und Opis, die kurzfristig Geld brauchen, um ihre Stromrechnung zu bezahlen. Die Gastronom:innen, die sich mit einem Pfandkredit in Covid-Zeiten über Wasser halten. Die Musiker:innen, denen das Coronavirus ihre Auftritte und damit ihre Gagen geraubt hat. Die Schausteller:innen, die in der einkommenslosen Pandemie ihre Tiere füttern müssen. Oder aber Geschäftsleute, die eine Immobilie zwischenfinanzieren müssen.

 

Pfandkredit peu à peu tilgen

Seitz hat ein feines Gespür für Menschen. Beispiel: Eigentlich soll lediglich ein Pfand verlängern werden. Dann bemerkt sie jedoch, dass die Kundschaft eigentlich noch mehr Geld zahlen könnte als das, was die Verlängerung kostet. Dann reagiert sie und bietet eine Teilabzahlung des Pfandkredits an. Wie bei einem Annuitätendarlehen greift dann nämlich ein besonderer Tilgungseffekt. Durch die Verringerung der Kreditsumme reduzieren sich auch die Gebühren und Zinsen, die auf die Summe fällig werden. Viele Kund:innen haben das so nicht auf dem Schirm und sind Seitz sehr dankbar. „Kürzlich kam eine Kundin nach dem Besuch an der Kasse mit einer Schachtel Pralinen zurück.“

 

Vertrauen in kommunales Amt

Es ist genau dieses offene Geschäftsgebaren, das Vertrauen bei Menschen schafft. Sie fühlen: Hier werde ich nicht übers Ohr gehauen. Hinzu kommt: Das Leihamt ist ein kommunales Pfandhaus – das einzige seiner Art in ganz Deutschland. Wenn die Mitarbeiterin des Leihamts abends nach Hause geht, hat sie ein gutes Gefühl. Denn auch an diesem Tag konnte sie Dutzenden von Menschen helfen, die einen finanziellen Engpass überbrücken müssen.

 

Autorin: Stefanie Badung