Die Menschen im Leihamt: Peter Lapré, Prokurist und kaufmännischer Leiter

13. Juli 2022
Herr Lapré

Peter Lapré, Prokurist und kaufmännischer Leiter im Leihamt Mannheim | Foto: Axel Heiter

Ist das, was in den Finanzbüchern des Leihamts steht, korrekt? Unbedingt! Denn das sicherzustellen ist der Job von Peter Lapré. Der „Herr der Zahlen“ weiß über jeden Cent Bescheid, der in unser Leihamt reinkommt und es wieder verlässt. Die Faszination für alles Rechnerische ist dem 15-Jährigen anscheinend in die Wiege gelegt worden.

Moment mal: 15-Jähriger? „Das ist so schon korrekt“, schmunzelt Lapré. Denn geboren wurde er am Rosenmontag des Jahres 1960. Das war ein Schaltjahr, in dem der karnevalistische Wochenanfang auf den 29. Februar fiel. Somit feiert der eigentlich 60-Jährige streng genommen nur alle vier Jahre Geburtstag. Dann aber bestimmt umso freudiger.

Zum Leihamt kam der gelernte Steuerfachgehilfe, studierte Betriebswirt und IHK-geprüfte Bilanzbuchhalter bereits 2006. Damals verpfändeten die Menschen viel Elektronik. Die Regale des Leihamts waren prall gefüllt mit Video- und DVD-Rekordern sowie DVD-Sammlungen. Heute sind Pfänder größtenteils Schmuck, Juwelierware und Gold. 

 

Das Leihamt ist eine Anstalt öffentlichen Rechts

Unser Leihamt wurde 1809 gegründet und ist das letzte kommunale Pfandhaus in der gesamten Bundesrepublik. Juristisch betrachtet ist es eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Als Prokurist vertritt Lapré unseren Geschäftsführer Jürgen Rackwitz, wenn dieser im Urlaub oder verhindert ist, und hat damit weitreichende Entscheidungsbefugnisse. Als kaufmännischer Leiter wiederum erstellt und kontrolliert Lapré den Wirtschaftsplan. Und der hat vor allem ein Ziel: das Geschäftsjahr mit einem Plus zu beenden. Denn die Überschüsse dessen, was das Leihamt in erster Linie mit Pfandkrediten sowie dem An- und Verkauf von Gold und Silber erwirtschaftet, fließen dem Sozialhaushalt der Stadt Mannheim zu.

 

Mit dem Pfandkredit inflationsbedingte Liquiditätsengpässe abfedern

Damit das auch in Zukunft funktioniert, muss das Zahlenwerk also solide sein. Und genau das im Auge zu behalten ist die Aufgabe von Lapré. Er muss die Zahlen im Griff haben, damit unser über 200 Jahre altes Leihamt auch künftig noch Pfandkredite vergeben kann. Und das ist wichtig, denn Lapré glaubt: „Mit der hohen Inflation und den steigenden Nebenkosten werden mehr und mehr Menschen den Weg zu uns finden.“ Rentner:innen beispielsweise, die ein Armband oder eine Uhr beleihen, um offene Rechnungen sofort begleichen zu können und damit bei der Bank nicht in den Miesen stehen zu müssen.

Diesen gesellschaftlichen Zweck mit dem gesamten Kollegium zu erfüllen, erfüllt den gebürtigen Westpfälzer mit Stolz: „Wenn ich abends nach Hause gehe, weiß ich, dass meine Arbeit dazu beigetragen hat, Menschen aus einer finanziellen Klemme zu helfen.“

 

Autorin: Stefanie Badung