Die Menschen im Leihamt: Frank Kucharski, allgemeine Verwaltung und Team Geschäftsführung

29. November 2022

Frank Kucharski, Verwaltungsfachangestellter im Leihamt Mannheim | Foto: Axel Heiter

Frank Kucharski könnte man mutterseelenallein im tiefsten Urwald aussetzen und sich sicher sein: Der findet seinen Weg da raus und lernt nebenbei so viel Wissenswertes, dass er danach eine neue Karriere starten kann. Im Leihamt hat er vor zehn Jahren als externer Wachmann angefangen. Heute arbeitet er direkt unserem Geschäftsführer, Jürgen Rackwitz, als Verwaltungsangestellter zu.

Dazwischen lagen viele Weiterbildungen, denn der gebürtige Mannheimer lernt gern Neues dazu. Seine Komfortzone zu verlassen – das liegt ihm im Blut. Und so ging es für Kucharski vom Wachdienst ins Lager, dann zur Neben- und Hauptkasse und schließlich in die allgemeine Verwaltung. Praktisch nebenbei machte der 41-Jährige den Abschluss zur IHK-geprüften Schutz- und Sicherheitskraft.

Seitdem ist er in Doppelfunktion unser Gefahrenschutz- und Gesundheitsschutzbeauftragter. So kümmert er sich beispielsweise darum, dass unsere Geldzählmaschinen regelmäßig gewartet werden, unsere Brandmelder stets einsatzbereit sind und in der Pandemie unseren Kolleg:innen Impfangebote zur Verfügung standen. Demnächst will er sogar seinen Meister für Schutz und Sicherheit machen.

 

Versteigerung und Nachverkauf von Pfändern

Darüber hinaus ist Kucharski sowohl First-Level-Support in puncto IT als auch Ansprechpartner für die Kriminalpolizei. Er beauftragt Fremdfirmen, bestellt Gebrauchsgegenstände, bereitet Versteigerungen vor und unterstützt das Team im Nachverkauf. Denn immer dann, wenn Pfänder bei der regulären Versteigerung keine neuen Besitzer:innen finden, können diese Wertgegenstände beim Nachverkauf in den Räumen des Leihamts in D4 erworben werden – oftmals zu einem attraktiven Preis.

Bevor es jedoch überhaupt zu einer Versteigerung kommt, informiert Kucharski die betroffene Kundschaft darüber, dass ihre Schätze unter den Hammer kommen sollen. „Das ist ein Sonderservice, den das Leihamt bietet“, erklärt er. Denn natürlich könne es vorkommen, dass man Säumnistermine aus den Augen verliere. „In diesem Fall haben die Kund:innen die Chance, den Pfandkredit zu verlängern, indem sie die Zinsen und Gebühren für die abgelaufene Zeit sowie eine 10%ige Abzahlung des Darlehens leisten. „Bei Uhren oder Schmuck entfällt die Abzahlung sogar.“

 

In stern-tv-Reportage zum Pfandkredit

Seit 2012 ist der ehemalige Zeitsoldat bei uns im Leihamt und hat hier seinen Traumjob gefunden. „Langweilig ist es nie. Denn jeder Tag verläuft komplett anders.“ Dass er das Leihamt von der Pike auf kennengelernt hat, macht ihn zur guten Seele des Hauses. Denn er kennt das einzige kommunale Pfandhaus Deutschlands vom Dachboden bis zum Keller. Zuletzt sah dies das TV-Publikum bei der Reportage, die stern TV bei uns gedreht hat. Sein wichtigster Satz, „Es gibt keinen Grund, dass man sich schämen muss, ins Leihamt zu kommen“, hat enorme Resonanz gefunden.

Was war eigentlich das aufregendste Erlebnis in den vergangenen zehn Jahren? „Die Versteigerung einer Rolex Sea-Dweller red! Denn sie erzielte deutlich mehr als das, was an Pfandkredit, Zinsen und Gebühren offen war: 20.000 Euro!“ Auch der Kunde dürfte sich darüber gefreut haben, denn dieser sogenannte Mehrerlös wanderte direkt in seine Tasche. Und genau das ist es auch, was Kucharski beim Leihamt so große Freude macht: „Wir können für die Menschen da sein.“

 

Autorin: Stefanie Badung

„Jetzt weiß ich, dass ein echter Krügerrand auch gut klingen muss“

23. November 2022

Jürgen Rackwitz und Peter Lapré (re.) empfangen Herrn Paulsen (li.) und die weiteren Mitglieder des IHK-Netzwerks Kleinunternehmen | Foto: Axel Heiter

Das IHK-Netzwerk Kleinunternehmen nahm im November an der „Goldenen Stunde im Leihamt“ teil. In dieser Vortragsreihe empfangen wir Vereine, Verbände und andere Vereinigungen. Einblicke in die Abläufe bei Deutschlands einzigem öffentlich-rechtlichen Pfandhaus runden das Programm ab.

Der Vortrag dieser „Goldenen Stunde“ beleuchtete den Pfandkredit, „das unbekannte Finanzinstrument“. Bei Gründer:innen ist die Alternative zu einem Bankkredit zuletzt zum Geheimtipp avanciert, doch an größerer Bekanntheit unter Geschäftstreibenden fehlt es noch.

Der Betriebsleiter des Leihamts, Anton Meinzer, ging deshalb sehr gezielt darauf ein, wie man den Pfandkredit als Unternehmer:in strategisch einsetzen kann.

Die Mitglieder des Netzwerks Kleinunternehmen stammen aus unterschiedlichen Branchen und sind in der Rhein-Neckar-Region tätig. Sabine Krauss ist selbstständige Finanzberaterin für Baufinanzierung. Sie war „…beeindruckt, dass [das Leihamt] auch privaten, selbstständigen oder kleineren Unternehmen bei zwischenzeitlichem Liquiditätsbedarf“ hilft.

Welche Fallbeispiele ihr in den Sinn kommen und an welche Vorteile sie konkret denkt, hat sie in einem öffentlichen Posting bei LinkedIn ausgeführt.

 

Ein Blick hinter die Kulissen

Ein wichtiger Bestandteil der „Goldenen Stunde im Leihamt“ ist eine Führung durch das Haus, bei der unsere Besucher Einblicke in die Architektur, das Lager und die Arbeitsplätze unserer Schätzer:innen erhalten.

„Sehr spannend, was es im Leihamt alles zu entdecken gibt“, fasst Lars Paulsen, einer der Ansprechpartner des Netzwerks Kleinunternehmen der IHK Rhein-Neckar, seine Eindrücke zusammen. Er fährt fort: „Dank Herrn Meinzer weiß ich jetzt, dass ein echter Krügerrand auch gut klingen muss. Beeindruckt hat mich, dass als Pfand auch Märklin-Eisenbahnen, Werkzeuge und Musikinstrumente eingelagert werden.“

Im Anschluss an Vortrag und Führung blieb wieder Zeit für das gemeinsame Netzwerken. Wir danken unseren Gästen herzlich für den angenehmen Austausch und freuen uns schon auf die nächste „Goldene Stunde“ im Frühjahr 2023.

 

Wann schlägt Ihre Goldene Stunde im Leihamt?

Falls Sie mit Ihrer Gruppe auch einmal an der „Goldenen Stunde im Leihamt“ teilnehmen möchten, wenden Sie sich bitte an Frank Kucharski (Tel. 0621 12013 12, Email kucharski@das-leihamt.de).

 

Autor: Markus Biedermann
Fotos: Axel Heiter

Das Leihamt Mannheim empfängt zur „Goldenen Stunde“

27. Oktober 2022

Jürgen Rackwitz und Frank Kucharski empfangen den Stadtteilverein Neuostheim e.V. zur Goldenen Stunde im Leihamt | Foto: Axel Heiter

Die „Goldene Stunde im Leihamt“ ist eine Serie exklusiver Veranstaltungen. Wir empfangen geladene Gäste, darunter Vereine, Verbände und andere Vereinigungen, um in unserem Hause einen spannenden Vortrag zu einem aktuellen sowie relevanten  Thema zu erleben. Durch ein rundes Rahmenprogramm vermitteln wir zudem vielfältige Eindrücke von Deutschlands einzigem öffentlich-rechtliches Pfandhaus.

Die Besucher entdecken während der „Goldenen Stunde“ die beeindruckende Architektur unseres historischen Gebäudes, erkunden das Lager und erfahren an den Arbeitsplätzen unserer Schätzer:innen, wie man den Wert eines Pfandes ermittelt. In unserem Versteigerungssaal werden mitgebrachte Gegenstände von unseren Expert:innen geschätzt.

Wir freuen uns sehr darüber, dass dieses Konzept positiv angenommen wird. So teilte uns Stefan Bickmann, der 1. Vorsitzende des Stadtteilvereins Neuostheim e.V., im Anschluss an die Veranstaltung mit: „Ich habe mit vielen Mitgliedern gesprochen, die von unserem Besuch sehr begeistert waren“. Den Vortrag von Geschäftsführer Jürgen Rackwitz lobt er als „informativ, lebendig und humorvoll“.

Auch für unsere Mitarbeiter:innen ist die „Goldene Stunde“ ein schöner Anlass, um einen Schritt aus dem sonstigen Arbeitsalltag herauszutreten. Selten lassen sich wissenswerte Fakten rund um die Pfandleihe, den Edelmetallhandel und anderes mehr in solch lockerer Atmosphäre vermitteln.

Im Anschluss an Vortrag und Führung bleibt den Besuchergruppen im Rahmen der „Goldenen Stunde“ immer ausreichend Zeit für ein Get-together und gemeinsames Netzwerken. Für das leibliche Wohl ist dabei selbstverständlich gesorgt.

Und wann schlägt Ihre Goldene Stunde im Leihamt?

Falls Sie mit Ihrer Gruppe auch einmal an der „Goldenen Stunde im Leihamt“ teilnehmen möchten, wenden Sie sich bitte an Frank Kucharski (Tel. 0621 12013 12, Email kucharski@das-leihamt.de).

 

Autor: Markus Biedermann
Fotos: Axel Heiter

Die Menschen im Leihamt: Peter Lapré, Prokurist und kaufmännischer Leiter

13. Juli 2022

Peter Lapré, Prokurist und kaufmännischer Leiter im Leihamt Mannheim | Foto: Axel Heiter

Ist das, was in den Finanzbüchern des Leihamts steht, korrekt? Unbedingt! Denn das sicherzustellen ist der Job von Peter Lapré. Der „Herr der Zahlen“ weiß über jeden Cent Bescheid, der in unser Leihamt reinkommt und es wieder verlässt. Die Faszination für alles Rechnerische ist dem 15-Jährigen anscheinend in die Wiege gelegt worden.

Moment mal: 15-Jähriger? „Das ist so schon korrekt“, schmunzelt Lapré. Denn geboren wurde er am Rosenmontag des Jahres 1960. Das war ein Schaltjahr, in dem der karnevalistische Wochenanfang auf den 29. Februar fiel. Somit feiert der eigentlich 60-Jährige streng genommen nur alle vier Jahre Geburtstag. Dann aber bestimmt umso freudiger.

Zum Leihamt kam der gelernte Steuerfachgehilfe, studierte Betriebswirt und IHK-geprüfte Bilanzbuchhalter bereits 2006. Damals verpfändeten die Menschen viel Elektronik. Die Regale des Leihamts waren prall gefüllt mit Video- und DVD-Rekordern sowie DVD-Sammlungen. Heute sind Pfänder größtenteils Schmuck, Juwelierware und Gold. 

 

Das Leihamt ist eine Anstalt öffentlichen Rechts

Unser Leihamt wurde 1809 gegründet und ist das letzte kommunale Pfandhaus in der gesamten Bundesrepublik. Juristisch betrachtet ist es eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Als Prokurist vertritt Lapré unseren Geschäftsführer Jürgen Rackwitz, wenn dieser im Urlaub oder verhindert ist, und hat damit weitreichende Entscheidungsbefugnisse. Als kaufmännischer Leiter wiederum erstellt und kontrolliert Lapré den Wirtschaftsplan. Und der hat vor allem ein Ziel: das Geschäftsjahr mit einem Plus zu beenden. Denn die Überschüsse dessen, was das Leihamt in erster Linie mit Pfandkrediten sowie dem An- und Verkauf von Gold und Silber erwirtschaftet, fließen dem Sozialhaushalt der Stadt Mannheim zu.

 

Mit dem Pfandkredit inflationsbedingte Liquiditätsengpässe abfedern

Damit das auch in Zukunft funktioniert, muss das Zahlenwerk also solide sein. Und genau das im Auge zu behalten ist die Aufgabe von Lapré. Er muss die Zahlen im Griff haben, damit unser über 200 Jahre altes Leihamt auch künftig noch Pfandkredite vergeben kann. Und das ist wichtig, denn Lapré glaubt: „Mit der hohen Inflation und den steigenden Nebenkosten werden mehr und mehr Menschen den Weg zu uns finden.“ Rentner:innen beispielsweise, die ein Armband oder eine Uhr beleihen, um offene Rechnungen sofort begleichen zu können und damit bei der Bank nicht in den Miesen stehen zu müssen.

Diesen gesellschaftlichen Zweck mit dem gesamten Kollegium zu erfüllen, erfüllt den gebürtigen Westpfälzer mit Stolz: „Wenn ich abends nach Hause gehe, weiß ich, dass meine Arbeit dazu beigetragen hat, Menschen aus einer finanziellen Klemme zu helfen.“

 

Autorin: Stefanie Badung

Nach 42 Jahren beim Leihamt: Kurt Thomaschek geht in den wohlverdienten Ruhestand

28. April 2022

Kurt Thomaschek, Betriebsleiter im Leihamt in Mannheim | Foto: privat

Als Kurt Thomaschek bei uns anfing, trug man Vokuhila, Wollstulpen und Karottenjeans. Wer damals, im Mai 1980, schnell Geld durch einen Pfandkredit brauchte, brachte Teppiche, Lederjacken, Gemälde oder Pelze ins Leihamt. 42 Jahre später haben sich zwar die Pfänder geändert, die Menschen aber nicht. Einige davon dürften Thomaschek bald vermissen. Denn nach 42 Jahren geht unser dienstältester Kollege Ende April in den wohlverdienten Ruhestand.

Auch heute noch sind die Gründe, warum Menschen einen finanziellen Engpass durch einen Pfandkredit im Leihamt überbrücken wollen, die gleichen. Und auch heute noch sind die Summen, die die Menschen brauchen, sehr unterschiedlich. „In der einen Stunde kommt eine Oma, die ihrem Enkel mit 10 Euro eine Freude machen will. In der nächsten Stunde kommt ein älteres Ehepaar, das 10.000 Euro braucht, um das Bad barrierefrei zu gestalten“, sagt Thomaschek.

Bei uns im Leihamt fing er an, nachdem er als 18-Jähriger seine Ausbildung als Verwaltungsangestellter bei der Stadt Mannheim abgeschlossen hatte. Denn hier tat sich unerwartet eine Chance als Schätzer auf. Der Funke für das neue Metier sprang sofort über. „Perlenkurs, Farbsteinkurs, Diamantgutachterkurs – ich habe keine Schulung ausgelassen, um mich fit zu machen“, erzählt der 63-Jährige begeistert. Nicht selten wanderten seinerzeit Hunderte von Videorekordern, analogen Kameras, fein geknüpften Seidenteppichen, Nerzen und großen Farbfernsehern jährlich in das Lagerhaus. Bald platzte es aus allen Nähten, so dass unser Leihamt im Juni 1990 in das jetzige Jugendstilgebäude in D 4 umzog. Damals wie heute wissen unsere Schätzer:innen nie, welche Wertgegenstände und welche Menschen der Tag an ihre Schalter bringt. Und genau diese Abwechslung und Spannung liebt Thomaschek an seiner Arbeit bis heute.

 

Pfandkredit sicherte Liquidität für Dachdecker

Ob es eine ungewöhnliche Beratung in den 42 Dienstjahren gab, die ihm im Gedächtnis geblieben ist? „Nach einem Orkan waren in der gesamten Region Rhein-Neckar etliche Dächer abgedeckt“, erzählt er. Goldene Zeiten für Dachdecker:innen, möchte man meinen. Nur auf den ersten Blick, denn: „Tatsächlich vergehen viele Monate, bis die Firmen ihr Geld sehen. Denn zuerst müssen sie die Ziegel oder Dachsteine als Material einkaufen. Dann wird das Haus gedeckt und das Personal bezahlt. Das Geld aus der Hausversicherung der Kundschaft kommt erst Monate später.“ Der Dachdecker hatte bei seiner Bank den Kreditrahmen bereits ausgeschöpft und hätte keine weiteren Aufträge annehmen können. Unser Kollege jedoch konnte ihm durch einen Pfandkredit schnell und unbürokratisch aus der Bredouille helfen.

So wurden über die Jahrzehnte für Thomaschek viele Kund:innen zu vertrauten Gesichtern – darunter auch Menschen aus Freiburg, Karlsruhe oder Köln. Warum sie die lange Wegstrecke gern in Kauf nahmen? „Das Vertrauen, das unser Leihamt als einziges kommunales Pfandhaus in ganz Deutschland genießt, ist einzigartig“, meint Thomaschek. Denn die Kolleg:innen werden nicht nach Provision bezahlt, sondern können unabhängig die Kundschaft beraten. Ein Beispiel: Es zahlt sich unmittelbar aus, den Pfandkredit stückchenweise zu tilgen. Denn wenn bei einem Pfandkredit in Höhe von 500 Euro monatlich 50 Euro getilgt werden, sinken automatisch und sofort auch die fälligen Zinsen und Gebühren. Die Kundschaft spart also bares Geld. Genau dieses Feingefühl macht die Beratung im Leihamt fair und Menschen wie Kurt Thomaschek zu im wahrsten Sinne des Wortes „geschätzten“ Ansprechpartner:innen.

 

Autorin: Stefanie Badung

 

Die Menschen im Leihamt: Sabine Seitz, Assistentin der Geschäftsführung

25. Februar 2022

Sabine Seitz, Assistentin der Geschäftsleitung im Leihamt in Mannheim | Foto: Axel Heiter

Hand in Hand arbeitet Sabine Seitz mit den Pfandkredit-Expert:innen des Leihamts zusammen. Sobald diese ein Pfand auf seinen Wert taxiert haben und den Pfandvertrag mit der Kundschaft abgeschlossen ist, zahlt sie an der Kasse das Pfanddarlehen aus.

Zum Leihamt kam die gelernte Friseurin wie die Jungfrau zum Kinde. Ob ein Job als Aushilfe beim Leihamt nichts für sie wäre, fragte Betriebsleiter Kurt Thomaschek die gebürtige Mannheimerin einst vor 22 Jahren. Offen und experimentierfreudig, so wie es ihrem Naturell entspricht, sagte Seitz prompt zu. Und wurde schon nach kurzer Zeit als Festangestellte in Teilzeit übernommen. Seitdem arbeitet sie im prächtigen Jugendstilgebäude in D 4 – „schönster Arbeitsplatz Mannheims!“ – entweder hinter den Kulissen als Assistentin der Geschäftsführung oder an vorderster Linie: der Kasse.

 

Bargeld oder EC-Zahlung?

Und genau hier laufen alle finanziellen Fäden zusammen. An der Kasse können die Leihamt-Kund:innen ihre Pfandkredite verlängern. Sie können hier ihre Pfänder auslösen, also den Pfandkredit zzgl. der aufgelaufenen Zinsen und Gebühren tilgen. Sie bezahlen die Gold-/Silbermünzen oder Gold-/Silberbarren, die sie beim Leihamt erwerben. Oder sie kassieren das Geld für Gold und Silber, das sie im Leihamt verkaufen. Alle Transaktionen passieren entweder mit Bargeld oder bargeldlos über eine EC-Karte.

 

Wer kommt ins Leihamt?

Aber wen trifft die sympathische 59-Jährige eigentlich täglich an der Kasse des Leihamts? „Unsere Kundschaft ist bunt gemischt“, sagt sie. Da gibt es die Omis und Opis, die kurzfristig Geld brauchen, um ihre Stromrechnung zu bezahlen. Die Gastronom:innen, die sich mit einem Pfandkredit in Covid-Zeiten über Wasser halten. Die Musiker:innen, denen das Coronavirus ihre Auftritte und damit ihre Gagen geraubt hat. Die Schausteller:innen, die in der einkommenslosen Pandemie ihre Tiere füttern müssen. Oder aber Geschäftsleute, die eine Immobilie zwischenfinanzieren müssen.

 

Pfandkredit peu à peu tilgen

Seitz hat ein feines Gespür für Menschen. Beispiel: Eigentlich soll lediglich ein Pfand verlängern werden. Dann bemerkt sie jedoch, dass die Kundschaft eigentlich noch mehr Geld zahlen könnte als das, was die Verlängerung kostet. Dann reagiert sie und bietet eine Teilabzahlung des Pfandkredits an. Wie bei einem Annuitätendarlehen greift dann nämlich ein besonderer Tilgungseffekt. Durch die Verringerung der Kreditsumme reduzieren sich auch die Gebühren und Zinsen, die auf die Summe fällig werden. Viele Kund:innen haben das so nicht auf dem Schirm und sind Seitz sehr dankbar. „Kürzlich kam eine Kundin nach dem Besuch an der Kasse mit einer Schachtel Pralinen zurück.“

 

Vertrauen in kommunales Amt

Es ist genau dieses offene Geschäftsgebaren, das Vertrauen bei Menschen schafft. Sie fühlen: Hier werde ich nicht übers Ohr gehauen. Hinzu kommt: Das Leihamt ist ein kommunales Pfandhaus – das einzige seiner Art in ganz Deutschland. Wenn die Mitarbeiterin des Leihamts abends nach Hause geht, hat sie ein gutes Gefühl. Denn auch an diesem Tag konnte sie Dutzenden von Menschen helfen, die einen finanziellen Engpass überbrücken müssen.

 

Autorin: Stefanie Badung

Die Menschen im Leihamt: Anton Meinzer, Experte für Gold und Silber

24. November 2021

Anton Meinzer, Experte für Gold und Silber beim Leihamt in Mannheim | Foto: Axel Heiter

Den Beruf des Pfandleihers hatte Anton Meinzer zu keiner Zeit auf dem Schirm. Und trotzdem spürt er jeden Morgen, wenn er seinen Dienst im Leihamt Mannheim antritt: „Das ist genau das, was ich machen möchte! Und genau an dem Ort, an dem ich es machen möchte!“ 

Im März 2022 wird Anton Meinzer zehn Jahre am Schalter des Leihamts Tausende von Kund:innen bedient, Tausende von Wertgegenständen taxiert sowie Tausende von Kilogramm Gold angekauft und verkauft haben. Als der gelernte Goldschmied 2012 im Vorstellungsgespräch gefragt wurde, wie er in Krisen reagiere, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Ich komme gerade von einer dreimonatigen Solo-Südamerika-Reise zurück. Weder bei der Überquerung eines Gletschers in den Anden noch bei der Arbeit mit Kindern in der Favela oder Wanderungen durch die Wälder von Feuerland wurde mir ein Haar gekrümmt. Wenn ich eins bin, dann nervenstark.“

Hinzu kommt: Die Menschen, die bei einem finanziellen Engpass Hilfe im Leihamt suchen, fassen blitzschnell Vertrauen zu dem 31-Jährigen. Mit offenem Blick und Engelsgeduld nimmt er sich Zeit für alle, die den Weg in das prächtige Jugendstilgebäude in D4 gefunden haben. Dass er im einzigen kommunalen Pfandhaus Deutschlands nicht unter Verkaufsdruck steht, schätzt Meinzer sehr: „Ob jemand ein Pfand mit 100 oder 10.000 Euro beleiht, spielt hier keine Rolle.“ Alle bekommen die gleiche Aufmerksamkeit, die gleiche Wertschätzung und den gleichen Respekt. Aus Erfahrung weiß er, dass fast nichts so subjektiv ist wie die Geldsumme, die jemand in einer Notlage benötigt. Der Erste braucht am Monatsende 30 Euro zum Essen, die Nächsten brauchen 500 Euro zur Autoreparatur und die Dritte braucht 8.000 Euro zur Begleichung ihrer Steuerschuld. Dass die Menschen an ihren Schätzen hängen, weiß Meinzer. Denn 93 Prozent der Pfänder gehen nicht in die Versteigerung, sondern werden vorher von ihren Besitzer:innen wieder ausgelöst.

 

Experte für An- und Verkauf von Gold und Silber

Wer wann mit welchen Kostbarkeiten ins Leihamt kommt, weiß der Goldschmied und Diamantgutacher nie. Womöglich liebt er deshalb so die Abwechslung und Vielfalt seines beruflichen Alltags. Dabei ist der Pfandkredit, also das Prüfen, Bewerten und Beleihen von Armband- und Taschenuhren, Porzellan, Markenwerkzeug, Musikinstrumenten und Fahrrädern, die eine Seite der Medaille. Die andere ist der Edelmetallhandel, den Meinzer mit seinem Kollegen Marek Brach im Leihamt aufgebaut hat. Täglich kaufen die beiden Experten Gold und Silber – durchschnittlich 5 bis 15 Kilogramm pro Monat.

Dabei kommen die geprüften und nach aktuellem Gold- und Silberpreis taxierten Stücke – zum Beispiel Goldmünzen, Goldmedaillen, Bruchgold, Zahngold, Altgold oder Goldschmuck jeglicher Art – im nächsten Schritt in die Scheideanstalt. Dort werden Verunreinigungen entfernt und das reine Edelmetall in Barren gegossen. Aber auch, wer bankhandelsfähige Goldmünzen und Goldbarren in einem seriösen Rahmen und zu attraktiven Konditionen kaufen möchte, ist bei Meinzer bestens aufgehoben.

 

Vorwärts denkender Mensch

Anton Meinzer ist ein Mensch, der im Leben immer vorwärts denkt. Deshalb hat er sich 2020 auf den mühsamen Weg zum Goldschmiedemeister begeben. Diese Ausbildung absolviert er berufsbegleitend und mit viel Elan. Darüber hinaus unterstützt er die Digitalisierung, die das Leihamt auf noch effizientere Beine stellen wird. Und wenn er dann doch mal ein Stündchen Ruhe hat? Was tut er zur Entspannung? „Dann mähe ich den Rasen“, schmunzelt er, und das nimmt man ihm auch sofort ab.

 

Autorin: Stefanie Badung

Die Menschen im Leihamt: Tobias Rackstraw, Experte Vario-Pfand

02. Juli 2021

Tobias Rackstraw, Experte für Vario-Pfand beim Leihamt in Mannheim | Foto: Axel Heiter

Ein rostiger Trabi, der zum allradgetriebenen Geländewagen wird. Ein uraltes Fachwerkhaus, das zum ultramodernen Smarthome wird. Ein städtisches Amt, das zum Anbieter eines völlig neuartigen Finanzprodukts wird. Da, wo andere nur Gegensätze sehen, nimmt Tobias Rackstraw etwas völlig anderes wahr: die Chance, durch die Kombination vermeintlich widersprüchlicher Dinge etwas nie zuvor Dagewesenes zu schaffen.

Die Gabe, die Welt aus völlig unterschiedlichen Perspektiven zu sehen, muss Tobias Rackstraw in die Wiege gelegt worden sein. Als Sohn einer deutschen Uhrmacherin und eines englischen Naturwissenschaftlers ist er in Heidelberg geboren. Er besucht als Kind und Jugendlicher sowohl deutsche als auch englische Schulen. Vom Studium der Volkswissenschaften sattelt er auf das Goldschmiedehandwerk um und erlernt nebenbei das Tätowieren. So erschafft er tagsüber kunstfertigen Schmuck aus Gold und bringt abends Kunst unter die Haut.

 

„Gern auch mal anders“

Genau das, was auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammenpasst, übt auf Rackstraw also größten Reiz aus. Wenn genau diese Widersprüche zusammengesetzt werden, dann entsteht etwas unerwartet Neues – etwas, das die Menschen fasziniert. „Gern auch mal anders“ ist der rote Faden, dem Rackstraw unbeirrbar folgt. Da trifft es sich gut, dass er als Schätzer beim Leihamt in Mannheim arbeitet. Denn das einzig kommunale Pfandhaus Deutschlands hat ein Produkt entwickelt, das es so bisher nirgendwo anders gibt. Und dafür ist Rackstraw mitverantwortlich.

Beim sogenannten Vario-Pfand können Kund:innen ihre Wertgegenstände ab 10.000 Euro wahlweise diebstahlsicher verwahren, per Anruf, E-Mail oder Smartphone-App beleihen oder beides auf einmal tun – und das zu äußerst günstigen Konditionen. Diese sorgen dafür, dass das Vario-Pfand eine attraktive Alternative sowohl zum Dispokredit als auch zum Bankschließfach ist.

 

Kommunales Amt schafft innovatives Produkt

Dieses Angebot stehe den Konditionen eines klassischen Finanzdienstleisters in nichts nach, so Rackstraw und sei darüber hinaus um ein Vielfaches unkomplizierter und schneller im Bearbeitungsprozess. Er nennt ein Beispiel: „Die Kundin hat einen von uns geprüften und taxierten Wertgegenstand eingelagert und braucht aus irgendeinem Grund plötzlich Geld“.

Bei einem klassischen Finanzinstitut müsse sie jetzt Formulare ausfüllen und auf die Bewilligung warten. Beim Leihamt hingegen ruft die Kundin an und nennt die Höhe des benötigten Pfanddarlehens. „Wir überweisen die vereinbarte Summe auf das hinterlegte Bankkonto und schicken den Pfandschein per E-Mail“, erklärt Rackstraw. Das Ganze geht binnen Minuten über die Bühne und passiert kontakt- und bargeldlos.

Dass das 212 Jahre alte Leihamt als kommunale Institution ein solch innovatives Produkt entwickeln konnte, sei etwas, worauf er stolz sei. Und wie bei allen Gegensätzen, die zu einem kreativen Neuen kombiniert werden, fragt man sich: Wieso ist darauf nicht schon längst jemand gekommen?

Autorin: Stefanie Badung

Als Schätzerin im Leihamt: „Der schönste Arbeitsplatz in Mannheim“

01. April 2021

Beate Wagenbach war viele Jahre lang als Schätzerin beim Leihamt tätig. Dieser Porträt-Artikel entstand im April 2021 | Foto: Das Leihamt, Axel Heiter

Unsere langjährige Mitarbeiterin Beate Wagenbach ging zum September 2022 in den wohlverdienten Ruhestand. Mehr als 16 Jahre lang arbeitete die Schätzerin beim Leihamt. Wieviel Kilogramm Gold in dieser Zeit durch ihre Hände gegangen sind? „Das habe ich mich auch oft gefragt“, schmunzelt die gelernte Goldschmiedemeisterin und Diamantengutachterin – der Fachbegriff hierfür lautet Gemmologin. Einige hundert Kilogramm werden es gewiss gewesen sein, denn die Schmiedekunst edler Metalle wurde der gebürtigen Eifelerin in die Wiege gelegt.

Gold, Silber und Juwelen waren für die kleine Beate nichts Außergewöhnliches. Bereits als Dreikäsehoch verbrachte sie ganze Tage in der Werkstatt ihres Vaters, der ein wahrer Meister seines Fachs war. Folgerichtig absolvierte sie die Ausbildung zur Goldschmiedin im elterlichen Betrieb, wo der Chef umso härtere Maßstäbe an seinen Nachwuchs anlegte. Doch gerade diese Strenge spornte die junge Frau noch mehr an. Ihr Meisterstück war eine besonders raffinierte Brosche aus Feingold, Feinsilber und Kupfer, bei der sie alle erlernten Techniken kunstfertig anwandte – unter den strengen Augen eines sogenannten Schaumeisters, der die Kreation lückenlos überwachte.

 

Korrektes Arbeiten schafft Vertrauen

Das korrekte Arbeiten ist Wagenbach in Fleisch und Blut übergegangen. Und so wiegt und prüft sie mit großer Präzision und Ruhe den Wert der goldenen Ohrstecker, Ringe, Armbänder oder Ketten, die Menschen beim Leihamt verpfänden. Nach ihrer Schätzung werden die Gegenstände sorgfältig verpackt und zur sicheren Verwahrung ins Lager gegeben. Die jeweiligen Eigentümer:innen indes lassen sich an der Hauptkasse den Pfandkredit auszahlen oder bargeldlos auf das Konto überweisen.

Wagenbach beleiht aber nicht nur Schmuck, Gold und Silber. Auch für Musikinstrumente („toll war eine Flamenco-Gitarre!“), Armband- und Taschenuhren, Steifftiere, Käthe-Kruse-Puppen, Fotoapparate, Silberbesteck oder hochwertiges Porzellan ermittelt sie den Gegenwert, der als Grundlage des Pfandkredits dient. Ob Zippo-Feuerzeug für 5 Euro oder Rolexuhr für 25.000 Euro – die 62-Jährige bedient alle mit der gleichen Höflichkeit, Offenheit und Ruhe. Diese Wertschätzung spüren die Menschen. Manche von ihnen kommen regelmäßig zu ihr.

 

Schönster Arbeitsplatz Mannheims

Was Beate Wagenbach besonders am Leihamt mag? „Wir haben den schönsten Arbeitsplatz in Mannheim“. In der Tat ist das denkmalgeschützte Gebäude in D 4 ein prachtvoller, lichtdurchfluteter Jugendstilbau – und damit alles andere als das Klischee, das viele beim „Pfandhaus“ im Kopf haben.

Ihre Vorliebe für schöne Dinge kultiviert Beate Wagenbach übrigens auch gern in ihrer Freizeit. Sie ist eine Ästhetin, legt Wert auf ein gepflegtes Zuhause. Und offenbar liegt es in ihrer Natur, verborgene Schätze beispielsweise auf Flohmärkten zu entdecken: Ihr schönstes Stück ist ein Ebenholz-Flanierstock mit kleinem Kompass, der in der Elfenbeinkugel des Griffs versteckt ist. „Ich liebe ihn!“, schwärmt die feingeistige Mannheimerin.

Autorin: Stefanie Badung; aktualisiert am 29. August 2022

Die Menschen im Leihamt: Jürgen Rackwitz

17. November 2020

Der Herr der Pfänder: Jürgen Rackwitz, Geschäftsführer des Leihamts in Mannheim | Foto: Axel Heiter

Wenn Jürgen Rackwitz eins so richtig gut kann, dann ist es das: gute Gelegenheiten erkennen, ehrgeizige Ziele setzen und sich dann dorthin durchbeißen. Das war schon im Gymnasium so, das der Spross einer Handwerkerfamilie besuchte, und das gilt auch noch heute. Chef des Leihamts und damit „Herr der Pfänder“ ist er seit 2001.

Hätte er keine zwei linken Hände gehabt, dann würde Jürgen Rackwitz heute vielleicht in der Schlosserei Geländer und Türen fertigen. So allerdings überzeugte der damals Zehnjährige seinen Vater, den Aufnahmetest für das Gymnasium machen zu dürfen. Und schloss prompt als bester dabei ab. Dass danach alles wie am Schnürchen lief, kann man jedoch nicht behaupten. Nachdem er in der Sexta mit einer glatten Sechs in Deutsch gestartet war, kämpfte er sich in den Folgejahren stets eine Note nach oben. Bis er das Deutsch-Abitur mit einer glatten Eins bestand.

 

Schnell Geld, ohne sich „nackig“ zu machen

Schon diese Episode zeigt: Wenn er fest an etwas glaubt, dann kämpft der gebürtige Monnemer (Mannheimer) sich durch. Schon 19 Jahre führt er die Geschäfte des einzigen öffentlich-rechtlichen Leihamts in Deutschland, das vor mehr als 200 Jahren gegründet wurde. Seit 1809 kommen die Bürger*innen Mannheims hierher, wenn sie schnell, unkompliziert und ohne sich „nackig“ machen zu müssen Geld brauchen. Zum Beispiel, wenn ein Strafzettel beglichen, ein Begräbnis finanziert oder ein Unternehmer mit geplatzter Rechnung ein Projekt vorfinanzieren muss.

Die Transaktion ist einfach: Der Kunde bringt eine Bohrmaschine, einen goldenen Ring, eine Trompete, ein Fahrrad oder andere Preziosen, die beliehen werden können. Die Mitarbeiter:innen des Leihamts schätzen den Wertgegenstand. An der Kasse zahlen die Kollegen oder Kolleginnen den vereinbarten Pfandkredit dann aus – bar und ab 2021 auch per EC-Karte.

Bis der Kunde seinen persönlichen Schatz, das Pfand (Plural: Pfänder), wieder auslöst, wird er im Leihamt sicher verwahrt. Kann der Kunde die aufgelaufenen Zinsen und das Entgelt nicht bezahlen, wird der Wertgegenstand bei einer Versteigerung verwertet, sprich verkauft. Erzielt der Auktionator dabei einen höheren Preis als die vereinbarte Summe, darf sich der Kunde über diesen unerwarteten Geldsegen freuen.

 

„Leihamt ist Leben pur!“

Die Kundschaft des Leihamts geht durch alle Schichten. Sozialer Status zählt hier nicht. Das einzige, was zählt, ist das Pfand. Dass er seine Karriere nach Stationen bei der Universität Heidelberg und dem Klinikum Mannheim als Pfandleiher krönen würde, hätte sich der dreifache Familienvater nicht träumen lassen. Dabei hat dieses „Orchideenfach“ für den gelernten Diplom-Verwaltungswirt so viele faszinierende Facetten wie kein anderes. „BWL, VWL, Verwaltungsorganisation, öffentliches und privates Recht, Mitarbeiterführung, Marketing – die Themen sind umfangreich, aber gerade das hält mich auf Trab.“

Als Chef des Leihamts ist Rackwitz über sein Team einerseits nah an den Menschen, muss andererseits aber auch betriebswirtschaftlich denken. Seit 19 Jahren steuert er seine „kleine Fregatte“ und in dieser Zeit hat sich einiges verändert. So gab es um die Jahrtausendwende beispielsweise noch keine Frauen am Schalter. Ein großer Fehler, fand Rackwitz, und stellte als erste Aktion qualifizierte Gemmologinnen, also Fachfrauen für Schmuck und Edelsteine, ein. Auf sein Team, das aus sieben Gutachter*innen und fünf Mitarbeiter:innen im Backoffice besteht, lässt der 60-Jährige übrigens nichts kommen. Er schätzt dessen Gelassenheit, mit einem Chef auszukommen, dem „alle fünf Minuten etwas Neues einfällt“.

 

Das einzige, das bewertet wird, ist das Pfand

Obwohl das Leihamt schon seit so langer Zeit ein rettender Hafen für die Mannheimerinnen und Mannheimer ist, haben viele noch eine große Scheu, dort Hilfe zu suchen. Zu groß ist die Angst vor Stigmatisierung. Dabei geht es dort fair, anständig und immer freundlich zu. Die Kunden und Kundinnen haben feine Antennen und sie spüren: Hier ist ein Ort, an dem keine persönlichen Entscheidungen bewertet werden. Das einzige, was hier neutral und sachlich bewertet wird, ist das Pfand.

Denn zum einen ist das Leihamt in D 4 keine dunkle Kaschemme, sondern ein heller, offener und prächtiger historischer Bau, der einst sogar als Kulisse für einen Hollywoodfilm diente. Zum anderen bedienen die Mitarbeiter:innen die Kundschaft mit Fingerspitzengefühl, Sachkunde und Höflichkeit.

Denn eins, so Rackwitz, solle man nie vergessen und zitiert einen Kollegen: „Nur das Schicksal hat den einen Menschen vor und den anderen hinter den Schalter gesetzt. Das ist aber keine Zuweisung für immer, denn genauso schnell kann das Schicksal zuschlagen und einem alles entreißen, was man zuvor als selbstverständlich angenommen hat.“ Die Sensibilität, sich dessen bewusst zu sein, trägt dazu bei, dass die Mitarbeiter:innen des Leihamts auf Augenhöhe mit ihren Kunden sprechen. Und diese fühlen die Wertschätzung und fühlen sich gut aufgehoben.

 

Ein Monnemer Bloomaul

Wer sich mit dem Hobbyautor und -maler in seinem luftigen, hellen Büro mit schöner Stuckrosette und knallgelber, selbst gestalteter Lampe unterhält, merkt schnell: Da redet jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Der mit Wortwitz brilliert und andere humorvoll unterhält. Der für Dinge einsteht, die ihm am Herzen liegen, und auch das verbale Gefecht nicht scheut. Der selbst mit Augenzwinkern betrachtet – „… bin schon ein Gockel, der teure Schreibgeräte liebt und sich einen himmelblauen Porsche kaufen würde, wenn er das Geld dafür hätte“. Genau das macht ein „Bloomaul“ aus. In Mannheim genießt es die höchste Anerkennung.

Autorin: Stefanie Badung