Das Leihamt klärt auf: Finger weg von Autobahngold!

15. Oktober 2021

Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Für das meist aus poliertem Messing bestehende Autobahngold trifft das hundertprozentig zu | Foto: Axel Heiter

An der Autobahnraststätte spricht sie eine tränenüberströmte Frau an. Sie sei mit ihrer Familie auf dem Weg zu einer Beerdigung. Aber nun sei der Tank leer und sie seien gestrandet. Ob Sie wohl mit 100 Euro Cash helfen könnten? Nicht umsonst! Als Pfand oder Tausch würden Sie ein prächtiges Goldarmband erhalten. Die Echtheit des geliebten Familien-Erbstücks würde durch Stempel bewiesen. Warum Sie auf dieses scheinbar verlockende Angebot besser nicht eingehen sollten? Die Expert:innen im Leihamt sagen es Ihnen!

Es vergeht kein Tag, an dem nicht mindestens ein, bisweilen sogar mehrere Opfer der sogenannten Autobahngold-Betrugsmasche den Weg ins Leihamt finden. Den ausgebildeten Schätzer:innen im Leihamt genügt ein Blick, um festzustellen: Die vermeintlich luxuriösen Ringe, Ketten oder Armbänder sind aus gestempeltem Fake-Gold und nichts wert! Entsetzt erfahren die Betroffenen, dass die so sympathische Begegnung in Wahrheit ein Trickbetrug war. Sie sind Gauner:innen aufgesessen, die ihre Krokodilstränen eiskalt eingesetzt haben, um ihnen Bargeld aus der Tasche zu ziehen. Ihr Mitleid oder die Gewissheit, ein Schnäppchen zu machen, wurde gnadenlos ausgenutzt.

Der Schwindel mit dem Autobahngold wird, wie der Name bereits sagt, vor allem auf Raststätten oder Parkplätzen entlang der Autobahnen betrieben. Regelmäßig warnt die Polizei davor. Die Geschichten ähneln sich. Manchmal wird eine Panne vorgetäuscht, manchmal ist der Sprit alle. Stets wird glaubhaft und höflich eine Notsituation vorgetäuscht, die nur mit Bargeld zu lösen ist. Bargeld, das die Opfer im Glauben an eine spätere Rückzahlung oder einen lohnenden Tausch geben und das bereits in diesem Moment futsch ist.

 

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Ein abgewandelter Autobahngold-Trickbetrug scheint derzeit in Mannheim zu grassieren. Das Team im Leihamt merkt dies am vermehrten Zulauf von Menschen, die gefälschten Schmuck zum Schalter bringen. Hier geht die Geschichte so: Während Sie an einer Haltestelle, einem Parkplatz oder vor einem Laden stehen, bückt sich jemand, „findet“ angeblich einen Goldring und fragt Sie höflich: „Haben Sie den eben verloren?“ Wenn Sie verneinen, bietet ihr Gegenüber Ihnen den vermeintlich soeben entdeckten Schmuck an. Immer im Tausch gegen Bargeld, beispielsweise zum Essen.

Auch hier spulen die Trickbetrüger:innen sehr glaubhaft ihre Masche herunter, wie Tobias Rackstraw, Schätzer im Leihamt, am eigenen Leib feststellen konnte. Im Leihamt sieht er die mit „Bling-Bling“ gefüllten Autobahngold-Kisten jeden Tag. Doch was ist mit dem Stempel, der doch die Echtheit des angebotenen Schmuckstücks bestätigen soll? „Für Laien ist es so gut wie unmöglich, die gefälschten Stempel zu erkennen“, sagt der gelernte Goldschmied. Während bei Echt-Schmuck die Stempel punziert, also in das Gold oder Silber eingetrieben sind, sind sie bei Autobahngold in das Metall eingegossen. Sein Rat? „Ganz einfach: Wer sich gut auskennt mit Gold, wird niemals Gold auf der Straße kaufen. Und bei allen anderen sollten die Alarmglocken schrillen, wenn ihnen Gold außerhalb eines seriösen Verkaufsrahmens wie zum Beispiel eines Juweliergeschäfts, eines zertifizierten Handelsshops oder auch des Leihamts angeboten wird.“
 
Übrigens: Garantiert echter Gold- oder Silberschmuck ist auch im Leihamt käuflich zu erwerben – zum Beispiel bei der nächsten Versteigerung am 20. Oktober 2021.