Neuer Auftritt am Markt: Das Leihamt im Aufbruch

25. November 2020 Stefanie Badung

Visitenkarten und Pfandscheine | Foto: Axel Heiter

  • Das Leihamt startet am Markt mit neuem Namen, Erscheinungsbild, Blog und klar sortiertem Produktportfolio.
  • Ziele: Hemmschwelle reduzieren, Vorurteile entkräften, neue Kundschaft gewinnen.
  • Gegensätzliches Verbraucherverhalten in Corona-Pandemie.

Vorhang auf für DAS LEIHAMT: Seit heute zeigt sich die 211 Jahre alte Institution in Mannheim in frischem, modernem Look. Dabei ist das neue Corporate Design Teil einer umfangreichen Kampagne, die mit neuem Namen, neuer Website, aufgeräumtem Produktportfolio sowie Dialog-Veranstaltungen im Jugendstilbau des Hauses dazu dienen soll, Hemmschwellen abzubauen und das Leihamt quer durch die Bevölkerung als sachkundige, seriöse Anlaufstelle für kurzfristige finanzielle Engpässe zu positionieren.

Das 1809 gegründete und in seiner kommunalen Konstellation bundesweit einzigartige städtische Leihamt ist eine wichtige Institution für die Bürger:innen der Quadratestadt. Der große Vorteil gegenüber Banken oder anderen kreditgebenden Finanzinstituten: Beim Leihamt gibt es schnell, unbürokratisch und diskret Geld – ohne Bonitätsprüfung, aber gegen die Beleihung eines von den eigenen Schätzern geprüften Wertgegenstands wie beispielsweise Gold- und Silberschmuck, Markenwerkzeug, Fahrrädern oder Unterhaltungselektronik.

Obwohl in dem prächtigen historischen Gebäude in D 4 pro Jahr mehrere Millionen Euro umgesetzt werden, stört Geschäftsführer Jürgen Rackwitz etwas: „Der Gang ins Pfandhaus ist noch immer ein Tabuthema und mit einem negativen Image behaftet.“ Dabei liegen zwischen sich hartnäckig haltenden Vorurteilen und der realen Erfahrung vor Ort Welten. Rackwitz: „Wir begegnen unseren Kunden auf Augenhöhe und stets wertschätzend.“

Daher will er mit der neuen Positionierung und einem klaren, übersichtlichen Produktangebot Ängste abbauen, Vorurteile entkräften und Vertrauen in einem hart umkämpften Markt gewinnen.

Neuer Weblog macht Pfandprozess transparent

Bei der Kommunikationskampagne (Entwicklung: Cosa Logo Agentur für Mediengestaltung, Mannheim), die visuell vom neuem verkürzten Namen DAS LEIHAMT sowie sachlich-kühlen Blautönen im Corporate Design unterstützt wird, spielt die neue Website www.das-leihamt.de eine wichtige Rolle. Warum verpfänden Menschen eigentlich ihre Schätze? Ist eine Beleihung vielleicht eine Alternative zum Überziehen meines Dispo-Kredits? Wie läuft ein Erstbesuch im Leihamt ab? Was waren die fünf kuriosesten Pfänder in der Geschichte des Leihamts? Wie wird der Wert eines Musikinstruments bestimmt? All diese Fragen und noch mehr beantwortet der Blog ab sofort mit regelmäßigen Beiträgen.

„Die Website allgemein soll sowohl wertvolle Informationen rund um den Beleihungsprozess als auch emotionale Geschichten liefern“, resümiert Rackwitz. So werden beispielsweise Porträts von Mitarbeitenden des Leihamts wie Gemmologen und Gutachterinnen zu sehen sein, aber auch Erklärfilme und Termine zu Schätztagen, den regelmäßig stattfindenden Auktionen und weiteren Veranstaltungen, für die das Leihamt sein Haus öffnet. Denkbar seien beispielsweise Führungen von Schulklassen, aber auch Vorträge zu Themen wie Jugendverschuldung oder alternative Finanzierungsinstrumente für Betriebe, so Rackwitz.

Klares Produktportfolio: Basiskredit und Vario-Pfand

Zum visuellen und kommunikativen Neuauftritt gesellt sich ein aufgeräumtes Produktportfolio, das aus dem Basiskredit und dem Vario-Pfand besteht. Während sich hinter erstem der klassische Pfandkredit verbirgt – Auszahlung eines Darlehens ab fünf Euro nach vorangegangener Schätzung, anschließende sichere Verwahrung und spätere Auslösung gegen Begleichung aufgelaufener Gebühren und Zinsen – greift das Vario-Pfand ab einer geschätzten Summe von 10.000 Euro. Der entscheidende Unterschied: Beim Vario-Pfand sind beispielsweise die beliehenen Brillanten, die Luxusuhrkollektion, das bankhandelsfähige Gold und der hochwertige Goldschmuck auf Wunsch des Kunden oder der Kundin gegen eine geringe Gebühr dauerhaft beim Leihamt eingelagert. In einem solchen Fall müssen nach einer virtuellen Auslösung bei einer erneuten Verpfändung die Wertgegenstände also nicht erneut antransportiert, bewertet und eingelagert werden. Im Kundenkonto ändert sich lediglich ihr Status (beliehen versus nicht beliehen). Die virtuellen Auslösungen und Verpfändungen regelt die Kundschaft unkompliziert per Anruf, E-Mail, Telefax, App (ab 2021) oder persönlich.

Während der gesamten Verweildauer im Leihamt sind die Preziosen gegen Raub, Einbruchdiebstahl und Elementarschäden abgesichert. Damit stellt sich das Vario-Pfand als sichere, günstige Alternative zum Haustresor und gleichzeitig als eine gute Quelle dar, um finanzielle Engpässe schnell und unbürokratisch zu überbrücken. Das Entgelt hierfür beträgt 1% pro Monat auf die entliehene Summe. „Als Alternative zu einem aufwändig verhandelten Bankkredit bietet sich das Vario-Pfand zum Beispiel für Unternehmer:innen an, die ein Projekt vorfinanzieren müssen oder durch spät zahlende Kunden in temporäre finanzielle Not geraten“, erklärt Rackwitz. Auch bei diesen Zielgruppen – zum Beispiel Handwerk, Kleingewerbe, Mittelstand, Gastronomie oder Freiberufler:innen – will das Leihamt künftig präsenter sein.

Bargeld ist out, elektronische Bezahlung ist in

In der Coronapandemie, in der das Leihamt bis auf drei Tage durchgehend geöffnet hat, zeigt sich im Frühling wie jetzt im November interessanterweise ein zweigeteiltes Bild: Auf der einen Seite lösen Kunden vielfach ihre verpfändeten Wertsachen aus, um sie im Fall einer sich weiter verschärfenden Krise nah bei sich zu haben. Auf der anderen Seite nehmen viele Menschen den hohen Goldpreis als Anreiz, Gold zu verkaufen. Inzwischen haben sich die Beleihungszahlen wieder auf Normalniveau eingependelt.

Was durch die andauernde Coronakrise nochmals klarer geworden ist: Bargeld ist out, elektronische Geldgeschäfte – am besten kontaktlos – sind in. Das bargeldlose Bezahlen mit der EC-Karte gilt als besonders hygienisch und komfortabel. Für Rackwitz ist dieser „Zufallsbefund“ ein Signal, dass die im Leihamt bereits angeschobene Digitalisierung die richtige Entscheidung war. So wird das Leihamt-Team dank einer neuen SAP-Software im ersten Quartal 2021 allen Kundinnen und Kunden unbare Zahlung anbieten und diese auch direkt in der Buchhaltung verbuchen können. Außerdem wird es eine App mit digitalem Konto geben, in der alle Geschäftsvorgänge abrufbar sind.

Abdruck honorarfrei – (804 Wörter)
Wir bitten um Zusendung eines Belegexemplars.

Über DAS LEIHAMT:

Das Städtische Leihamt Mannheim wurde 1809 mit Genehmigung des Großherzogs Carl Friedrich von Baden gegründet. Selbst in beiden Weltkriegen war es stets geöffnet. Seine Geschäftstätigkeit ruht auf drei Säulen: Regionalität, Verbot der Geschäftserweiterung und soziale Zweckbestimmung. Bis zu 40.000 Kunden nehmen die Dienste des Leihamts jährlich in Anspruch. Im Leihamt gibt es 12 Mitarbeiter:innen, davon sieben Gutachter:innen und fünf Kräfte im Backoffice. Das Leihamt Mannheim ist bundesweit das einzig verbliebene Leihamt in kommunaler Trägerschaft.

Für Fragen, weitere Informationen und für druckfähiges Bildmaterial wenden Sie sich bitte an presse@das-leihamt.de.

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