Olcay Mülayim – der Herr der Zahlen | Foto: Axel Heiter
Wer Olcay Mülayim im Leihamt begegnet, merkt schnell: Hier ist jemand, der auf Menschen zugeht und gerne zuhört. Er sucht das Gespräch, interessiert sich für sein Gegenüber und hat ein Gespür dafür, Menschen zusammenzubringen.
Seit Herbst 2025 ist Mülayim der kaufmännische Leiter des Hauses. Als er zum ersten Mal das Gebäude betrat, war er überrascht von der Atmosphäre. „Ich war überwältigt“, sagt er heute. Gleichzeitig war da Unsicherheit, ob er wirklich in dieses Umfeld passt. Die Bewerbung sei eher zufällig entstanden, ohne klaren Plan. Inzwischen sagt er: „Ich bin angekommen.“ Und dieser Satz ist bei ihm keine Floskel, sondern eine Feststellung.
In seiner Position steuert Mülayim die wirtschaftlichen und administrativen Prozesse des Leihamts: Budget, Liquidität, Personal, Wirtschaftsplanung, Jahresabschluss und Risikomanagement. Vieles davon spielt sich im Hintergrund ab, bestimmt aber, wie verlässlich das Haus funktioniert.
Mülayim wurde im schwäbischen Waiblingen geboren. Als er in den Kindergarten kam, sprach er kein Deutsch und musste lernen, sich durchzubeißen. Diese Erfahrungen haben seinen Blick auf Menschen geprägt. Deshalb sind für den 47-jährigen Diplom-Volkswirt Zahlen auch kein Selbstzweck. Sie sind die Grundlage dafür, dass das Leihamt seinen Auftrag erfüllen kann: Menschen in unterschiedlichen Situationen handlungsfähig zu halten.
Was ihn am Leihamt besonders fasziniert, ist die gesellschaftliche Breite auf engem Raum. An einem Schalter geht es um 20 Euro, am nächsten um eine Uhr im Wert von 200.000 Euro. Die Dienstleistung bleibt dieselbe, der Umgang mit dem Kunden auch.
Im Alltag ist er nicht nur in der Verwaltung präsent, sondern auch im Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen. Einmal im Monat wird im Leihamt gemeinsam thailändisch gegessen – eine Idee, die auf seine Frau zurückgeht, die aus Bangkok stammt. Für Mülayim ist das mehr als ein gemeinsames Mittagessen. Es steht für die Art, wie man im Leihamt miteinander umgeht. Man arbeite hier füreinander, nicht nebeneinanderher, das ist ihm wichtig.
Abseits der Arbeit spielt Schach seit seiner Kindheit eine Rolle in seinem Leben: als ruhiger Gegenpol zu einer Aufgabe, die oft schnelle Entscheidungen verlangt. Die Freude am Reisen begleitet ihn ebenfalls schon lange. Nach seinem Studium war er als Backpacker in Südostasien unterwegs. Heute entdeckt er gemeinsam mit seiner Frau und den drei Kindern die Welt.
Und vielleicht passt auch sein Name zu dem, wie er sich selbst beschreibt: Olcay bedeutet „der Glückliche“. Für ihn ist das kein Zufall, sondern eine Haltung, die sich mit den Jahren entwickelt hat – und mit dem Gefühl, angekommen zu sein.