Die Menschen im Leihamt: Beate Wagenbach, Schätzerin

01. April 2021
Beate Wagenbach, Schätzerin beim Leihamt in Mannheim

Beate Wagenbach, Schätzerin beim Leihamt in Mannheim | Foto: Axel Heiter

Wieviel Kilogramm Gold schon durch Beate Wagenbachs Hände gegangen sind? „Das frage ich mich auch oft“, schmunzelt die gelernte Goldschmiedemeisterin und Diamantengutachterin – der Fachbegriff hierfür lautet Gemmologin. Seit fast 16 Jahren arbeitet die Schätzerin beim Leihamt. Einige hundert Kilogramm werden es gewiss gewesen sein, denn die Schmiedekunst edler Metalle wurde der gebürtigen Eifelerin in die Wiege gelegt. 

Gold, Silber und Juwelen waren für die kleine Beate nichts Außergewöhnliches. Bereits als Dreikäsehoch verbrachte sie ganze Tage in der Werkstatt ihres Vaters, der ein wahrer Meister seines Fachs war. Folgerichtig absolvierte sie die Ausbildung zur Goldschmiedin im elterlichen Betrieb, wo der Chef umso härtere Maßstäbe an seinen Nachwuchs anlegte. Doch gerade diese Strenge spornte die junge Frau noch mehr an. Ihr Meisterstück war eine besonders raffinierte Brosche aus Feingold, Feinsilber und Kupfer, bei der sie alle erlernten Techniken kunstfertig anwandte – unter den strengen Augen eines sogenannten Schaumeisters, der die Kreation lückenlos überwachte.

 

Korrektes Arbeiten schafft Vertrauen

Das korrekte Arbeiten ist Wagenbach in Fleisch und Blut übergegangen. Und so wiegt und prüft sie mit großer Präzision und Ruhe den Wert der goldenen Ohrstecker, Ringe, Armbänder oder Ketten, die Menschen beim Leihamt verpfänden. Nach ihrer Schätzung werden die Gegenstände sorgfältig verpackt und zur sicheren Verwahrung ins Lager gegeben. Die jeweiligen Eigentümer:innen indes lassen sich an der Hauptkasse den Pfandkredit auszahlen oder bargeldlos auf das Konto überweisen.

Wagenbach beleiht aber nicht nur Schmuck, Gold und Silber. Auch für Musikinstrumente („toll war eine Flamenco-Gitarre!“), Armband- und Taschenuhren, Steifftiere, Käthe-Kruse-Puppen, Fotoapparate, Silberbesteck oder hochwertiges Porzellan ermittelt sie den Gegenwert, der als Grundlage des Pfandkredits dient. Ob Zippo-Feuerzeug für 5 Euro oder Rolexuhr für 25.000 Euro – die 62-Jährige bedient alle mit der gleichen Höflichkeit, Offenheit und Ruhe. Diese Wertschätzung spüren die Menschen. Manche von ihnen kommen regelmäßig zu ihr.

 

Schönster Arbeitsplatz Mannheims

Was Beate Wagenbach besonders am Leihamt mag? „Wir haben den schönsten Arbeitsplatz in Mannheim“. In der Tat ist das denkmalgeschützte Gebäude in D 4 ein prachtvoller, lichtdurchfluteter Jugendstilbau – und damit alles andere als das Klischee, das viele beim „Pfandhaus“ im Kopf haben.

Ihre Vorliebe für schöne Dinge kultiviert Beate Wagenbach übrigens auch gern in ihrer Freizeit. Sie ist eine Ästhetin, legt Wert auf ein gepflegtes Zuhause. Und offenbar liegt es in ihrer Natur, verborgene Schätze beispielsweise auf Flohmärkten zu entdecken: Ihr schönstes Stück ist ein Ebenholz-Flanierstock mit kleinem Kompass, der in der Elfenbeinkugel des Griffs versteckt ist. „Ich liebe ihn!“, schwärmt die feingeistige Mannheimerin.

Autorin: Stefanie Badung